Wem gehören diese kleinen Füsschen und Händchen?

Gegen Ende unseres Einsatzes im Jahr 2018 stellte man uns einen kleinen Jungen vor, der damals rund 6 Monate alt war, aber nur 3.8 kg wog. In diesem Alter ist das Gewicht eigentlich mehr als doppelt so hoch. Der Kleine hatte eine beidseitige komplette Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, eine sog. Ptosis (herabhängendes Augenlid) und das linke Auge stand in Schielstellung. Wegen lebensbedrohlicher Atemprobleme bei seiner Geburt musste ein Luftröhrenschnitt erfolgen, um ihn zu retten. Bis heute kann er nur durch eine Atemkanüle am Hals atmen. Uns war nicht bekannt, ob er aufgrund Sauerstoffmangels bei der Geburt auch neurologische Schäden hatte. Er war stark unterernährt und schwach.

Wir kannten nur seinen Nachnamen Cordoba, eine Geburtsurkunde gab es nicht, weshalb wir ihn „Baby Cordoba“ nannten. Seine Mama kämpft sich alleinstehend durch das so schon schwere Leben in sogar für Nicaragua einfachsten Verhältnissen. Sein unterernährter Zustand liess den operativen Verschluss der kompletten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte nicht zu, er hätte die Narkose nicht überlebt. Aber diese Spaltbildung erschwerte auch seine ausreichende Ernährung. Nach intensiver Besprechung entschieden wir uns, zumindest den Lippenverschluss verantworten zu können, damit ihn seine Mama besser ernähren und er an Gewicht zunehmen kann. Er kämpfte sich durch die einstündige OP und die Tage danach. Wir bangten um seinen weiteren Zustand. Aber Baby Cordoba schaffte es. Bis auf eine kleine Stelle an der Oberlippe heilten die Operationswunden gut und er überlebte. 

Social Media wie auch Messaging-Dienste haben es möglich gemacht, Baby Cordoba in verschiedenen Teilen Nicaraguas immer wieder aufzuspüren und begleiten zu dürfen. Im Februar 2020 durften wir ihn und seine Mama Mayra in León wiedersehen. Inzwischen war er getauft auf den Namen Josue Isrrael Cordoba Muñoz. Finanzielle Unterstützung, Kleider und Spielsachen sollten ein bisschen Hilfe leisten. Mit einer Augenklappe konnten wir unter augenärztlicher Aufsicht sein Schielen behandeln.

Josue wird von gutherzigen Menschen in Nicaragua liebevoll gepflegt, die uns regelmässig über ihn informieren. Sein Gewicht hat sich seither verbessert, immerhin wiegt der kleine Mann heute über 8kg. Seine Reaktionsfähigkeit und seine Interaktionen zeigen, dass er am Leben teilnimmt, auch wenn er immer noch schwach ist. Mit Bewegungstherapie lernt Josue gerade das Laufen und spricht erste Worte. Zu unserer grossen Freude und dank seines starken Überlebenswillens feierte Josue Isrrael Cordoba Muñoz am 21. August 2020 seinen dritten Geburtstag.

Sollte sich sein Zustand weiterhin verbessern, werden der Verschluss seiner Gaumenspalte, die Korrektur der Oberlippe und des hängenden Augenlides bald möglich sein. Vielleicht kann dann auch die Atemkanüle im Hals entfernt werden. Auch wir haben schon alle notwendigen Vorbereitungen zuhause getroffen und das notwendige Material für die anstehende Operation bereitgestellt. Jetzt müssen wir nur noch fliegen dürfen.

Seit über 25 Jahren haben Nicaplast und unsere Mission in Nicaragua es möglich gemacht, Babys seit ihrer Geburt bis in das Erwachsenenalter hinein zu behandeln und sie auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. In diesem Sinne wünschen wir uns, auch Josue aufwachsen zu sehen und ihm dabei mit unseren bescheidenen Mitteln ein möglichst selbstständiges und glückliches Leben zu ermöglichen.

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